DiGS (français) DiGS (deutsch)

Forschungsprojekt "DiGS" (Deutsch in Genfer Schulen):

 

Grammatikerwerb im Fremdsprachenunterricht

untersucht am Beispiel "Deutsch als Fremdsprache" in Genfer Schulen

Grammatikunterricht - alles für der Katz?

Untersuchungen zum Zweitprachenerwerb Deutsch. Tübingen 2000 (Niemeyer RGL 220). - Helen Christen / Sandra Leuenberger / Isabelle Pevat / Thérèse Studer

Disponible en ligne / on line verfügbar:

http://doc.rero.ch  

 


Projektleitung: Erika Diehl

Mitarbeiterinnen: Helen Christen, Sandra Leuenberger, Isabelle Pelvat, Thérèse Studer

Laufzeit: Oktober 1995 – September 1998

Finanziell getragen vom Schweizerischen Nationalfonds für wissenschaftliche Forschung, von der Erziehungsdirektion des Kantons Genf und von privaten Sponsoren, insbesondere von den Stiftungen "Ernst und Lucie Schmidheiny" und "Hans Wilsdorf".


 

Untersuchungsgegenstand 

Erwerb der Konjugation, der Deklination (Genus, Kasus und Numerus) und der Wortstellung (insb. Verbstellung) durch frankophone Schülerinnen und Schüler unter gesteuerten Bedingungen, beobachtet vom ersten Jahr des Deutschunterrichts (zur Zeit der Erhebung: 4. Primarschulklasse) bis zur Maturität. 

 

Korpus

1800 Aufsätze von 220 Schülerinnen und Schülern an Genfer Schulen (Primarschule, Sekundarstufe I [= cycle d'orientation] und Sekundarstufe II [école de culture générale, école supérieure de commerce, collège]), geschrieben im Verlauf von 2 Schuljahren (je 4 Aufsätze pro Schuljahr).

 

Die wichtigsten Ergebnisse

  • In den Bereichen Konjugation, Kasus und Verbstellung verläuft der Erwerb in einer festen Phasenabfolge, die durch die Progression des Grammatikunterrichts nicht tangiert wird:

  • diese natürliche Reihenfolge hat überindividuelle Gültigkeit; individuelle Unterschiede zeigen sich lediglich im Zeitaufwand, der für den Erwerb der einzelnen Strukturen und Regeln erforderlich ist;

  • für Genus- und Pluralerwerb konnten keine implikationell angeordneten Phasen ermittelt werden;

  • Fremdsprachenlerner und –lernerinnen erarbeiten sich die Regeln der L2 selbständig nach individuell variierenden Erwerbsstrategien; je komplexer das zu erwerbende Regelwerk, umso nutzloser sind grammatische Erklärungen und Übungen;

  • neben kognitiven Erwerbsverfahren (Bildung von Hypothesen über die Regeln von L2 – Verifzierung bzw. Falsifizierung dieser Hypothesen – neue Hypothesenbildung) spielt die Memorisierung fester Formeln (Chunks) eine grössere Rolle als bisher angenommen;

  • zwischen den Erwerbsfolgen von Konjugation, Kasus und Wortstellung lassen sich zwar zeitliche Parallelen beobachten, doch liefert unser Korpus keinen Nachweis dafür, dass es sich dabei um innersprachlich bedingte Korrelationen handelt;

  • Transfer aus L1 findet massiv bei der Wortstellung statt; beim Erwerb der Verbal- und Nominalmorphologie rekurrieren die Schülerinnen und Schüler auf Erwerbsstrategien, die aus dem L1-Erwerb deutschlernender Kinder bekannt sind.

Die Untersuchung schliesst mit Überlegungen und Vorschlägen zur didaktischen Umsetzung und berichtet über die Konsequenzen, die Genfer Deutschlehrerinnen und -lehrer in ihrem Unterricht aus den DiGS-Ergebnissen gezogen haben (z.B. bei der Lehrplangestaltung und der Evaluierung).

 

Publikationen

Diehl, Erika: Vom Deutschunterricht zum Deutscherwerb? Das Genfer DiGS-Projekt. In: Deutsch als Fremdsprache 3 (1998), 162-168.

- : Schulischer Grammatikerwerb unter der Lupe: Das Genfer DiGS-Projekt. In: Bulletin suisse de linguistique appliquée 70 (1999), 7-26.

- / Helen Christen / Sandra Leuenberger / Isabelle Pelvat / Thérèse Studer: Grammatikunterricht – Alles für der Katz? Untersuchungen zum Zweitsprachenerwerb Deutsch. Tübingen 2000 (Niemeyer, RGL 220)

Diehl, Erika: Wie sag ich's meinem Kinde? Modelle des Fremdsprachenunterrichts in der Primarschule am Beispiel Deutsch im Wallis und in Genf. In: Adamzik, Kirsten / Christen, Helen (Hg.): Sprachkontakt – Sprachvergleich – Sprachvariation. Festschrift für Gottfried Kolde. Tübingen: Niemeyer 2001, 99 – 122.

Studer, Thérèse: "Weisst du der deutsch?" Vom Umgang frankophoner Deutschlernender mit den Artikelwörtern. In: Adamzik, Kirsten / Christen, Helen (Hg.): Sprachkontakt – Sprachvergleich – Sprachvariation. Festschrift für Gottfried Kolde. Tübingen: Niemeyer 2001, 357 – 377.

 

Im Einzelnen wurde bearbeitet:

die Wortstellung: von Erika Diehl

Genera; Pluralmarkierungen: von Helen Christen

die Verbalflexion: von Sandra Leuenberger und Isabelle Pelvat (Tel. + Fax: 022-349 97 29)

Kasus in Nominalphrasen; Präpositionalphrasen: von Thérèse Studer  

 

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