Literatur des Mittelalters

Katharina GEDIGK

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Dr. Katharina GEDIGK (WIMMER)

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Kommentare zu den Lehrveranstaltungen 2021-2022:

Herbstsemester 2021:

32D0249_Introduction à la littérature et culture allemandes médiévales.pdf

Frühlingssemester 2022:

32D0255_Weltliche Lyrik des Spätmittelalters.pdf

32D0257_Wege des Liebesromans im 13. Jahrhundert: Rudolfs von Ems, Willehalm von Orlens‘.pdf

32D0258_Lire et traduire.pdf

Lebenslauf:

CV Katharina Gedigk (April 2021).pdf

Publikationsliste:

Publikationsliste Katharina Gedigk (April 2021).pdf

Dissertation:

Sehen und Erkennen. Exemplarische Spiegel als Medium der Erkenntnis in höfischen Romanen des 12. bis 14. Jahrhunderts

Bildschirmfoto 2021-11-27 um 13.05.21.png

Doktorvater: Prof. Dr. René Wetzel

Prüfende: Prof. Dr. Hartmut Bleumer und Prof. Dr. Katharina Mertens Fleury

Vorsitzende der Jury: Prof. Dr. Yasmina Foehr-Janssens

Eingereicht im Juli 2021, verteidigt am 6. November 2021

Abstract:

Die Dissertation stellt den Spiegel als mentales Konzept respektive als Wahrnehmungs-, Deutungs- und Denkmuster in den Fokus und fragt danach, wie es sich in erzählenden Texten des Mittelalters manifestiert sowie nach seiner Funktion und Wirkung auf die Rezeption. Dabei werden verschiedene sogenannte Spiegelungsphänomene in den Blick genommen, wobei besonders die Figuren, ihre Funktion und Wirkung als 'Spiegel' und damit als lehrhafte Vor-Bilder im Fokus stehen. Ziel ist es, herauszustellen, inwiefern durch die besondere Konzeption der Figuren als 'Spiegel' das gesamte Werk im Sinne eines literarischen Spiegels (ähnlich einem Fürstenspiegel) rezipiert werden soll.
Das Textcorpus besteht aus drei höfischen Romanen des Untersuchungszeitraums des 12. bis 14. Jahrhunderts: Rudolfs von Ems Willehalm von Orlens, Johanns von Würzburg Wilhelm von Österreich als späterem Vertreter der Textsorte sowie Hartmanns von Aue Erec, der als Prüfstein für die Ergebnisse der beiden vorgängigen Werke dient.
Zum Zug kommen dabei klassische literaturwissenschaftliche Methoden, die mit der kognitiven Narratologie kombiniert werden. So ergibt sich anhand der Untersuchung des Konzepts des Spiegels ein neuer Blick auf die Literaturproduktion und -rezeption sowie auf die Vermittlung von gesellschaftlich relevanten Konzepten wie rehte minne, wîpheit, tugent, triuwe und riterschaft.

 

Collage (K. Gedigk): Narcissus, Royal 20 A XVII, f. 14v © British Library / La Grande Prostituée sur les eaux (Tenture de l'Apocalypse, Angers) © Jean-Pierre Dalbéra / Adolescencia, Roval 6 E VI, f. 58v © British Library / Blendung, Ms germ qu, fol. 50r © Universitätsbibliothek Frankfurt am Main

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Aktuelles Forschungsprojekt:

Illustrierte Narration – narrative Illustrationen.
Die Werke der Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken und
ihre Illustrationen in kulturhistorischer Perspektive

Herpin Heidelberg Kopie.pngElisabeth von Lothringen (*1394/1398, †1456) ist neben Eleonore von Schottland (*1433, †1480) eine derjenigen adligen Frauen des 15. Jahrhunderts, die ihre Rolle als Gräfin für die Förderung und Produktion repräsentativer literarischer Werke zu nutzen wusste. Insgesamt vier Prosaromane (Herzog Herpin, Loher und Maller, Huge Scheppel und Königin Sibille) werden der Gräfin von Nassau-Saarbrücken zugeschrieben. Diese sind Bearbeitungen französischer Chansons de geste, die in neun Handschriften überliefert sind und allesamt auf die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts datieren (zwischen 1455 und 1493). Da die überlieferten Handschriften erst nach Elisabeths Tod entstanden, ist davon auszugehen, dass sich darin mehr noch als ihr eigenes Verständnis eines Zusammenspiels aus Literatur und Illustration das der jeweiligen Erstbesitzer niederschlägt. Nach Ute von Bloh sind sechs der Handschriften im Besitz der engeren und weiteren Verwandtschaft Elisabeths gewesen. Obwohl bereits einige wenige und teils recht kurze Beiträge zu diesem Textcorpus vorliegen, bleibt eine Gesamtschau, welche die Handschriften in einen größeren kultur-, sozial- und literaturhistorischen Zusammenhang stellt und dabei den Text nicht ohne seine Bilder und umgekehrt betrachtet, ein Desiderat. Da immerhin Zweidrittel der Handschriften bebildert sind und dies in nicht unerheblichem Maße, drängt sich eine Untersuchung auf, die Text und Bild gleichermaßen berücksichtigt und diese beiden Erzählmedien gemäß der modernen Text-Bild-Wissenschaft zueinander ins Verhältnis setzt. Um die sich daraus ergebenden zahlreichen Fragen an die Handschriften und ihre Illustrationen adäquat zu beantworten, wird eine Kombination interdisziplinärer Methoden aus der Literatur- und Kunstgeschichte, der Sozialgeschichte, Materialwissenschaft, Text-Bild- sowie der Rezeptionsforschung herangezogen. So können das Text-Bild-Verhältnis, die je spezifischen narratologischen Strategien von Text und Bild, der Umgang mit Stoff- und Formtradition, die Einflussnahme der Bearbeiterin, ihres Hofes und diesem nahestehender Personen sowie der historischen Rezipienten auf das Endprodukt berücksichtigt werden. Auch die Ikonographie lässt sich so einbeziehen, und zwar sowohl deren Erfassung und Abgleich innerhalb der Werke und untereinander, als auch deren Verhältnis zu zeitgenössischen, französischen Chansons-de-geste-Handschriften, zeitgenössischen deutschen Prosabearbeitungen sowie zu durch Ähnlichkeiten angezeigten, ähnliche Themen betreffenden Werken. So kann die jeweilige Handschrift als kulturelles Produkt (fait culturel) mit seinen Abhängigkeiten und seiner Wirkmacht erfasst werden. 

Abbildung: Herpin, Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, Gräfin, 1393-1456, Stuttgart (?), Werkstatt Ludwig Henfflin, um 1470, Cod. Pal. germ. 152, Universitätsbibliothek Heidelberg, fol. 4r (https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg152/0015)


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