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Décès du Prof. Rémy Charbon

Liebe Kollgeinnen und Kollegen,

einige von Euch/Ihnen hat die traurige Nachricht schon erreicht: unser ehemaliger Kollege Rémy Charbon ist am 11. August im Alter von 73 Jahren gestorben.

Rémy Charbon gehörte während einer langen Zeit, von 1972-2010, also 38 Jahre lang, dem Kollegium des Département d’allemand an und wusste mit seiner liebenswürdigen Persönlichkeit, seinem enormen Fachwissen und seinen spezifischen Forschungsinteressen in der neueren Abteilung markante Akzente zu setzen, zuerst als Maître assistant, dann Chargé de cours und als Titularprofessor. Er kannte sich besonders gut in der Literatur der Schweiz aus und zwar nicht nur, wie manch ein anderer, der des späten 19. und des 20. Jahrhunderts, sondern auch des 18. Jahrhunderts und der Zeit um 1800. So engagierte er sich Ende der 1990er Jahre bei der Gründung der Gesellschaft für die Erforschung der Deutschschweizer Literatur (GEDL), deren erster Präsident er war. Das geschah nicht aus Chauvinismus, sondern aus der Überzeugung, dass an den Germanistischen Instituten unsers Landes dessen literarische Tradition nicht ganz aus dem Blick geraten dürfe. Er beteiligte sich auch tatkräftig am Netzwerk Littératures suisses der Westschweizer Universitäten, das sich inzwischen leider wieder aufgelöst hat. Rémy Charbon war auch ein ausgewiesener Kenner der Literatur der DDR. Abgesehen von seinen akribischen Spezialkenntnissen war er aber auch ein germanistischer Universalist alter Schule. Die Breite dieser Kenntnisse konnte er vor allem einbringen, wenn er den immer noch bestehenden Kurs „Deutsche Literatur im Überblick“ (bekannt unter dem Namen „survol“) unterrichtete. Wem heute einer der Reader in die Hände kommt, die er für diese Literaturgeschichtsvorlesung zusammenstellte, ist von der Gelehrsamkeit dieses so bescheidenen Wissenschaftlers tief beeindruckt. Den Studierenden etwas zuzumuten war seine Art, sie zu respektieren. Einige schüchterte das ein, andere nahmen die Herausforderung dankbar an und entdeckten in seinen Kursen ganz neue Horizonte. Mit ein paar Teilnehmerinnen an einem Fortbildungskurs gründete er einen Lesekreis, der bis heute besteht.

Leider war Rémy Charbon, der als Junggeselle seine Haushaltung ebenso akribisch führte wie seine legendären Zettelkästen und der gerne Ausflüge unternahm (es gäbe kaum eine Postauto-Strecke in der Schweiz, die er nie befahren habe, sagte er), nur ein kurzes entspanntes Rentnerleben vergönnt. 2014 erlitt er einen ersten Schlaganfall, dessen Folgen ihm die Freude am Leben vergällten. Von den noch viel zerstörerischen Folgen eines zweiten Schlaganfalls, der ihn im vergangenen Juli heimsuchte, wurde er am 11. August in einem Pflegeheim in Zürich erlöst.

Ich erinnere mich – anderen wird es ähnlich ergehen – an einen äusserst liebenswürdigen, humorvollen, verlässlichen Kollegen, von dem ich viel lernte, der mich aber auch mit seinen Kochkünsten aufs Liebenswürdigste verwöhnte. Er stellte seine Integrität, seine Geradlinigkeit und sein Arbeitsethos über seinen persönlichen Komfort. Obwohl er so lange in Genf lebte, konnte er sich mit der Westschweizer Lebensart nie wirklich anfreunden und zügelte, schon vor seiner Pensionierung, wieder zurück in sein Zürich.

Da Rémy Charbon offenbar gar keine Familienangehörigen hatte, sind es nun einige seiner Bekannten, die eine Abdankungsfeier organisieren. Diese findet am 29. August um 14h statt in der Friedhofskapelle Hönggerberg, Notzenschürlistrasse 30, 8049 Zürich.

Stellvertretend für die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen von Rémy Charbon

Dominik Müller

 

21 août 2018
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