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Thematik


Heterogenität gehört zwar zum Wesen des Gebrauchs natürlicher Sprache; beobachtbare Differenzen im Sprachgebrauch führen allerdings nur dann zu sozialen Differenzierungen, wenn sie (mehr oder weniger bewusst) als solche identifiziert und interpretiert werden, d. h. wenn sie mehrere Filter durchlaufen haben. So können etwa aufgrund der Repräsentationen, die SprecherInnen von sozialen Gruppen haben, bestimmte Formen des Sprachgebrauchs Symbolcharakter erlangen, während andere umgestaltet oder gänzlich ignoriert werden. Die soziale Bedeutung einer Form von Sprachgebrauch ist freilich nicht fest mit einer bestimmten Gruppe verbunden: Ihre Rolle innerhalb eines Netzes von Entsprechungen und Abgrenzungen hängt von der soziolinguistischen Konfiguration einer sprachlichen Interaktion ab. Als Resultat davon können sprachliche Marker innerhalb von anderen Konstellationen neu festgelegt werden und andere soziale Grenzziehungen aufzeigen. Die Positionierungen von Einzelpersonen hängen jedoch nicht nur von deren eigenem Gutdünken ab. Der Differenzierungsprozess impliziert nämlich einen Austausch zwischen äusserlichen Zuschreibungen und dem Willen einer Gruppe, sich innerhalb des sozialen Raums gegenüber den anderen abzugrenzen.

Ein Ziel der Tagung ist es, die Rolle, welche der Sprachgebrauch bei der Festsetzung von (ethnischen, geografischen usw.) Grenzen spielt, in verschiedenen sozialen Kontexten (wie etwa im Unterricht, auf dem Arbeitsmarkt, im politischen Diskurs usw.) zu untersuchen. Die Tagung interessiert sich auch für die Herausforderungen, die sich bei der Differenzierung stellen, da nämlich jegliche Grenzziehung sowohl ein- als auch ausschliesst und somit die Legitimität bestimmter sozialer Zugehörigkeiten infrage stellt.

Beiträge können zu den folgenden Themenbereichen eingereicht werden:


1. Differenzierung im Sprachgebrauch

Auf welche Weise werden Gruppenzugehörigkeiten im Sprachgebrauch markiert?

  • Sprachgebrauch und verschiedenartige (kulturelle, soziale usw.) Zugehörigkeiten
  • Sprachgebrauch und Stileffekte
  • Aushandlung von Grenzen in der Interaktion

2. Differenzierung, Repräsentationen und Ideologien

Wie werden sprachliche Unterschiede interpretiert?

  • Differenzierung, Repräsentationen und Umgang mit Diversität
  • Entstehung von Sprachideologien und Konflikte zwischen Ideologien
  • Rolle von Ideologien bei der Interpretation des Sprachgebrauchs

3. Differenzierung bei der Wahrnehmung von Sprache

Welche Mechanismen, Prozesse und Spuren erlauben es, SprecherInnnen zu identifizieren?

  • Interaktion von verbalen und nichtverbalen Markern
  • Wahrnehmungsschwellen und Identifizierung von Sprechenden
  • Rolle des Interaktionskontextes bei der Wahrnehmung von Sprachgebrauch

4. Differenzierung und berufliche Praxis

Welche Herausforderungen stellen sich bei Differenzierungspraktiken im beruflichen Umfeld?

  • Funktion und Nutzen von Fachsprachen
  • Wahrnehmung von Differenzen und Umgang mit ihnen
  • Analyse und Beschreibung verschiedener Kontexte (Medien, Politik, Sport, Recht, Medizin usw.)

5. Differenzierung und Bildung

Wie wird im Bildungsbereich mit Differenzierung umgegangen?

  • Formen und Typen der Manifestierungen von Differenzen
  • Funktionen und Konsequenzen der Differenzierung
  • Herausforderungen im Unterricht, beim Lernen, bei der Evaluation, im Bereich Aus- und Weiterbildung usw.