Forschung

Forschungsprojekt SNF: Sprachpolitik und Sprachgebrauch

bild

Sprachpolitik und Sprachgebrauch in der mehrsprachigen Schweiz: Personenbezeichnungen in der Behördensprache

Der Zusammenhang zwischen Sprache und Geschlecht wird seit über dreissig Jahren kontrovers diskutiert. Im vorliegenden Forschungsprojekt des Schweizer Nationalfonds geht es darum herauszufinden, welche Veränderungen sich bei der Behördensprache des Bundes im Verlauf der Zeit ergeben haben und wie sich die Schweizer Amtssprachen voneinander unterscheiden.

Das Projekt untersucht, wie die sprachpolitische Forderung nach sprachlicher Gleichbehandlung von Mann und Frau im amtlichen Sprachgebrauch in den verschiedenen Landessprachen konkret umgesetzt wird. Dazu wird ein Korpus verschiedener Textsorten (mit unterschiedlich strengen rechtlichen Vorgaben für die Umsetzung des Prinzips der Gleichbehandlung) aus drei Zeitschnitten erstellt, das mit korpuslinguistischen Methoden quantitativ und aus textlinguistischer Sicht qualitativ ausgewertet wird. Die rechtlichen Vorgaben sind in Bezug auf verschiedene Textsorten unterschiedlich streng und die sprachstrukturellen Voraussetzungen der schweizerischen Amtssprachen führen dazu, dass die Gleichstellung in der Sprache verschieden umgesetzt wird.

Nach der Annahme des Verfassungsartikels über die Gleichstellung (1981) wurde in der Schweizer Bundesverwaltung die Frage der sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern auf politischer Ebene wiederholt diskutiert. Nachdem bereits 1991 Vorschläge für die Umsetzung von sprachlicher Gleichbehandlung in den Amtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch gemacht wurden, wurden diese 1993 nur für das Deutsche als verbindlich erklärt. Seit 2010 ist im Sprachengesetz sprachliche Gleichstellung in allen Amtssprachen als verbindliche Vorgabe vorgesehen; die Praxis der Behörden ist jedoch bisher noch nicht systematisch untersucht worden.

Wie sich die amtlichen Texte in den verschiedenen Sprachen entwickelt haben, untersucht das Projekt im diachronen und verschiedensprachlichen Vergleich ausgewählter amtlicher Textsorten an drei Zeitschnitten, d. h. von Beginn der politischen Diskussion in der Schweiz bis heute. Untersucht werden Texte auf Bundes- und Kantonsebene (zwei grössere deutsch- bzw. französischsprachige und alle mehrsprachigen Kantone). Das Projekt kombiniert drei Fragestellungen: Welches sind die institutionellen Vorgaben und wie haben sich diese im Untersuchungszeitraum entwickelt? Wie werden die Vorgaben von den an der Textproduktion und -übersetzung beteiligten Personen umgesetzt und welche Einstellungen sind dabei handlungsleitend? Welche Veränderungen zeigen sich synchron und diachron in unterschiedlichen Textsorten der verschiedenen Amtssprachen?

In Bezug auf die Diskussion um die sprachliche Gleichbehandlung von Mann und Frau wird konkret überprüft, welche Auswirkungen in diesem Bereich feststellbar sind, welche Differenzen es dabei zwischen den vier Landessprachen gibt und wie sich sprachplanerisches Handeln im mehrsprachigen Kontext auswirkt. Das Projekt hat daneben auch einen Praxisbezug, da es die verschiedenen Leitfäden, Vorschläge und Empfehlungen überprüft und ihre Wirksamkeit feststellt – daraus sollten sich dann auch Empfehlungen für ein sprachübergreifendes geschlechtergerechtes Formulieren ableiten lassen.

Dauer des Projekts: 1. März 2013 - 30. September 2016

Direktion: Prof. Kirsten Adamzik (Universität Genf)

Mitgesuchsteller: Prof. Iwar Werlen (Universität Bern)