Audiovisuelle Translation

 

Wie würden Sie sich und Ihren beruflichen Hintergrund mit Bezug auf die Weiterbildungskurse an der Fakultät für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Genf beschreiben?

Ich darf auf 12,5 Jahre spannende Erfahrungen in Bereichen der barrierefreien Medien und interlingualen Translation von Medienproduktionen zurückblicken – industriell wie akademisch. Ich habe zudem das Vergnügen, die inhaltliche Umsetzung der aktuellen Online-Angebote von Weiterbildungskursen an der FTI der Universität Genf rund um Themen zur Audiovisuellen Translation – kurz AVT – übernehmen zu dürfen.

Während meiner bisherigen Berufslaufbahn habe ich in der AVT-Industrie verschiedene Positionen wie Recruiting, Onboarding, Training, Projekt- und Qualitätsmanagement, die translatorische Abteilungsleitung für das Deutsche sowie Produktmanagement im Forschungs- und Entwicklungsbereich bekleiden dürfen. Zeitgleich habe ich erfreulicherweise die Nähe zu akademischen Institutionen und Forschung erhalten können, wodurch ich als Dozierender und Prüfer für AVT-Weiterbildungsangebote, Gastredner, unabhängiger Forscher und wissenschaftlicher Autor unterschiedliche Beiträge zu Wissenschaft und Ausbildung leisten darf.


Womit beschäftigten Sie sich aktuell in Ihrer Praxis als audiovisueller Übersetzer?

Ich schätze mich glücklich, mich mit einer Bandbreite verschiedener AVT-Gewerke beschäftigen zu können. Dazu gehören seit meinem Berufsbeginn die (Live-)Untertitelung für Menschen mit Hörbehinderung und Audiodeskription als Hörfilmfassungen für Menschen mit Sehbehinderungen. Im Laufe der Zeit kamen erfreulicherweise die verschiedenen interlingualen AVT-Gewerke des Voice-Overs, der Synchronisation einschliesslich der interlingualen Untertitelung diverser Projekte vom Englischen ins Deutsche hinzu. 

Seit Beginn meines translatorischen Studiums wuchs die Affinität hinsichtlich der Nutzung verschiedenster Technologien, die zunehmend Einzug in die Arbeitswelt von (audiovisuellen) Übersetzerinnen und Übersetzern gehalten haben.. Hinzu kam die Neugier auf die mittlerweile industrie-etablierte Verkettung von automatischer Spracherkennung, maschineller Übersetzung, grosser Sprachmodelle, generativer KI und künstlicher Stimmen als moderne Bestandteile heutiger AVT-Workflows. Mein besonderer Fokus liegt auf der Erkundung realistischer Produktivitätspotentiale dieser Technologien für alle im AVT-Bereich tätigen Stakeholder und die dafür geeigneten Medienformate. Dies stets mit besonderem Augenmerk auf die Bedeutung dieser Entwicklungen für selbstständige und freiberufliche Akteurinnen und Akteure. Parallel dazu aber auch besonders Qualitätsfragen, die mit genannten neuartigen, technologisch gestützten Arbeitsweisen einhergehen.


Was bewegt Sie zum Unterricht und der Lehre der Praxis im universitären Kontext?

Die Freude an der wissenschaftlich-fundierten Vermittlung der unheimlich attraktiven, aber vor allem sinnstiftenden Arbeitsbereiche der AVT. Die universitäre Forschung und die daraus resultierenden Erkenntnisse sind für mich untrennbar mit der Lehre und Praxis medialer Übersetzungsdienstleistungen verwoben. Die Kombination und gegenseitige Reflektion dieser beiden Welten verhalf von Anfang an, Potentiale zu erweitern, um sprachliche wie auch sensorische Barrieren zu überbrücken und Ansätze hierzu zu optimieren. Vor allem in Aufgabenfeldern, die Menschen mit und ohne Behinderung einen qualitativ hochwertigen Zugang zu audiovisuellen Informationen und somit einen sozialen und gesellschaftlichen Mehrwert bieten können, wie im Bildungssektor, Berufsleben und anderen Alltagsbereichen, also nicht nur ausschliesslich für Dienstleistungen im Unterhaltungsbereich.


Was ist das Besondere an den Weiterbildungsangeboten, die an der FTI der Universität Genf durch Sie angeboten werden?

Ich versuche neben den theoretischen und praktischen Inhalten rund um die Audiovisuelle Translation mir bestmöglich die aktuellen technologischen Trends abzubilden. Gerade in Zeiten einer täglich wachsenden Landschaft softwarebasierter Werkzeuge für die audiovisuelle Übersetzungsarbeit besteht die Herausforderung darin, den Überblick über die heutzutage meist markterforderlichen Hilfsmittel für AVT-Produktionen zu wahren. 

Daher lege ich besonderen Wert auf den aktiven Austausch zwischen den Teilnehmenden während der Kursangebote, um gemeinsam – unabhängig ob Neueinsteiger, erfahrene Translatorin oder Medienschaffender – die derzeitige Praxis und die aktuellen Möglichkeiten konstruktiv zu beleuchten, aber auch kritisch zu diskutieren. 

Besonders liegt mir am Herzen, keine Teilnehmenden während der intensiven Tagesseminare inhaltlich wie praktisch im Zuge technischer Übungen zu verlieren. Mein Anspruch besteht bei jeder meiner Veranstaltungen im Rahmen der Kursangebote an der FTI darin, der Offenheit für Neues, dem eigenmotivierten Interesse und den Investitionen in Weiterbildung von Personen aus unseren Berufsgruppen erwartungsentsprechend gerecht zu werden. 


Was sind die zentralen Aspekte, die Sie Kursteilnehmenden dieser Angebote mitgeben?

Neben den fachlichen Fertigkeiten setze ich mir stets als Ziel, alle Teilnehmenden weiterhin zu einem optimistischen Blick auf die neuentstehenden Arbeitswelten zu animieren. Persönlich bin ich der Ansicht, dass es zum Erhalt von Berufsbildern die aktive und partizipative Auseinandersetzung mit Neuerungen erfordert, positive wie negative. 

Denn diese ist meines Erachtens in veränderungsgeprägten Zeiten unausweichlich, um diese erfüllenden und grossartigen Übersetzungstätigkeiten auch in Zukunft nachhaltig ausüben zu können. Ich hoffe, dies während und jenseits der Seminare mitbegleiten zu können, durch den kollegialen und interdisziplinären Austausch zur Hinführung kollektiver(er) Zusammenarbeit zwischen allen AVT-Involvierten – als zentralen Kerngedanken.

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